Aus Liebe zur Musik – Ein Interview mit der Musikerin Jule Borchhardt

Aus Liebe zur Musik – Ein Interview mit der Musikerin Jule Borchhardt

„Wenn man etwas so sehr liebt, wie ich es liebe Musik zu machen, kann man gar nicht ohne“

Mit diesen Worten berührt Jule Borchhardt wohl jedes Musikfan-Herz. Die Böblinger Musikerin tritt unter dem Namen „jules“ in der Region auf und veröffentlichte vor kurzem auch ihre erste eigene Single „Back to you“. Damit gibt sich die 21-Jährige einer der am weitesten verbreiteten Künste hin: der Musik. Es ist die Musik, die uns  durch den Alltag begleitet, Emotionen auslöst, Stärke und momentan vielleicht auch Durchhaltevermögen gibt. Jule erzählt von ihrem Weg zur Leidenschaft und warum es für sie ein größerer Erfolg ist, Menschen zu berühren als Klicks und Zahlen zu gewinnen.

„Der Plan Musik für immer zu machen, stand schon fest als ich ganz klein war.“

Band „Skin of Clazz“

Schon im Alter von 10 Jahren hat die junge Musikerin angefangen, Gitarre zu spielen. Auch heute sieht man sie auf ihrem Instagram Account @officialjuless noch spielen, wenn auch auf der kleinen Schwester der Gitarre, der Ukulele. Angefangen hat alles mit privaten Auftritten bei Bekannten und Freund*innen. Sei es bei Geburtstagen oder Hochzeiten, sie half bei der musikalischen Gestaltung immer gerne aus. „Ich wollte immer schon auf die Bühne – da hat sich nichts dran geändert. Irgendwann wurde ich dann für Gigs bei der Stadt angefragt und habe so immer mehr Leute kennengelernt und mir mein Netzwerk an Musikern aufgebaut. So kam ich auch zu meiner Band „Skin of Clazz““, gibt sie an. Als Percussion-Band setzt sich „Skin of Clazz“ nicht wie typischerweise aus Gitarre, Bass und Keyboard sondern aus Marimba, Vibraphon und Xylosynth zusammen. Dabei steht die Sängerin auch nicht wie bei anderen Bands klar im Vordergrund. „Ich glaube, dass ich gerade das mag, weil jeder seinen eigenen Teil dazu beiträgt und wir alle gleich wichtig sind. Es ist letztendlich in jeder Band ein Gesamtkonzept, aber bei uns liegt der Fokus besonders auf uns allen zusammen. Es gibt Songs, da ist der Fokus mehr auf der Stimme, dann gibt es aber auch Songs, die einfacher zu singen sind und dafür andere Instrumente voll abgehen. Jedem Musiker wird so sein Raum gelassen. Dadurch, dass ich aber auch mein Soloprojekt habe, kann ich mich noch anders musikalisch verwirklichen.“

Hobby zum Beruf

Um ihrer Leidenschaft voll nachzugehen, entschied sie sich aber letztes Jahr statt für ein klassisches Musikstudium dafür, Lehramt zu studieren. „Ich halte mir meine Optionen offen, da ich mich nicht nur in dem Beruf der Sängerin, sondern auch als Lehrerin wiederfinden kann. Wohin die Reise also letztendlich geht, bleibt offen“, erklärt sie. Im Moment habe die Musik aber einen höheren Stellenwert als je zuvor. Dabei ist aber Durchhaltevermögen gefragt. „Die Branche ist ein hartes Pflaster. Bei den großen Künstlern steckt eben nicht nur Talent, sondern auch wahnsinnig viel Geld und große Labels dahinter. Das ist natürlich für Newcomer, wie mich, nicht machbar.“ Doch die Liebe zur Musik ist größer. „Das Verpacken der Gedanken und Gefühle in die Musik ist für mich essentiell und fast wie Therapie.“

Was ist Erfolg?

Sicherlich stellt man sich da Fragen nach persönlichen Zielen und was man wirklich mit seiner Musik erreichen will. Auf die Frage, wie sie Erfolg für sich definiere, antwortet Jule: „Schon die Tatsache wunderbare Menschen um mich zu haben, die mich dabei unterstützen, Musik zu machen und es mir dadurch erst ermöglichen, in die professionellere Richtung zu gehen, ist Erfolg. Wenn man seine Geschichten mit Menschen teilt und sich diese damit identifizieren können, man sie so berührt, ist das für mich der schönste Erfolg.“

Jetzt ist aber alles anders.

Leider ist diese Art der Kommunikation zwischen Hörer*in und Artist momentan nur digital möglich. „Die Möglichkeit der Live-Auftritte fehlt komplett“, fügt die Musikerin hinzu. Aufgrund der Pandemie sind Künstler*innen seit mittlerweile schon über einem Jahr extrem eingeschränkt. Während im Laufe des letzten Jahres Konzerte unter Hygienebestimmungen wieder erlaubt wurden, gibt es jetzt keine Möglichkeit, vor Publikum aufzutreten. „Das ist furchtbar für die gesamte Veranstaltungsbranche“, stimmt auch Jule zu. „Da ich persönlich nicht davon lebe, kann ich sagen, dass es mir einfach nur wahnsinnig fehlt, auf der Bühne zu stehen. Sonst bin ich aber zum Glück nicht weiter davon abhängig…außer vielleicht emotional.“ Für sie bedeutete der Lockdown die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren, viel zu schreiben und im Studio zu arbeiten.

„Zahlen sind mittlerweile auch in der Musikwelt so wichtig geworden“

Klicks, Likes, Follower – besonders auf Instagram muss immer wieder neuer Content produziert werden. Auch Jule beschreibt, dass sie sich dabei manchmal unter Druck gesetzt fühlt, produzieren zu müssen. „Aber auch damit lernt man umzugehen“, fügt sie hinzu. Was ihre Musik angeht, hatte sie auch schwierigere Zeiten, in denen nicht alles glatt lief: „Vor ein paar Jahren als ich überhaupt nicht wusste, was ich machen möchte, gestresst war und ein Jahr lang keinen einzigen Song geschrieben habe, hat mich das ziemlich unter Druck gesetzt. Das ist aber wieder vergangen. Heute weiß ich viel mehr, was ich eigentlich will und was ich dafür machen muss.“ Rückschläge gehören nämlich ebenso dazu.

„Fokussiere dich auf die Dinge, die du kannst und nicht auf die, die dir sowieso nicht liegen“

„Ich denke das ist wirklich etwas, das mir jemand gerade vor dem Abitur hätte sagen sollen.“ Jeder wird sich die Momente kennen, in denen man sich von Misserfolgen demotivieren und runterziehen lässt und das Positive aus dem Blick verliert – so auch Jule. „Man konzentriert sich einfach viel zu oft auf das Negative und die Schwächen als auf die Stärken. Irgendwann findet jeder seinen Weg, auch wenn das manchmal ein wenig Zeit braucht.“ Uns wird ständig das Gefühl gegeben, wir müssten genau wissen, wie unser Lebensweg aussehen wird. Dabei ist es vollkommen in Ordnung auch mal verloren zu sein. Auch die Böblinger Musikern ist noch nicht am Ziel angelangt, doch kommt diesem mit jeder neuen Erfahrung ein Stückchen näher. Wir können gespannt sein, was wir in Zukunft noch von jules hören werden.

Marija

Marija

4 Gedanken zu “Aus Liebe zur Musik – Ein Interview mit der Musikerin Jule Borchhardt

  1. Ich verfolge Jule schon seit einiger Zeit und bin durch die Insta-Story von ihr auf eure Website aufmerksam geworden. Und ich muss wirklich sagen, dass die Website und die vielen Artikel wirklich toll sind. Habt ihr das alles alleine gemacht oder habt ihr euch Programmierer oder sowas geholt. Weil ich kann mir vorstellen das so eine Website zu erschaffen und weiter zu pflegen und so echt viel Zeit in Anspruch nimmt.

    1. Erstmal danke:) Und wir haben so ziemlich alles alleine gemacht, jeder hat seinen Aufgabenbereich, um den er sich dann kümmert. Unsere Jungs haben die Website mithilfe von Anbietern dafür erstellt, Athénais kümmert sich um das Layout (sie hat zum Beispiel das Logo erstellt) und so hat jeder seinen Job. Aber vor allem das „Instand halten“ ist aufwändig, also dass immer neue Inhalte und Formate rauskommen. Uns macht das aber allen einfach Spaß und im Team funktioniert das auch am besten. Wir haben dazu auch mal den Artikel „Ein Blick hinter die Kulissen von GiPS online“ in der Rubrik GiPS hochgeladen, falls dich das noch genauer interessiert;)

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