Blutige Muttermilch

Blutige Muttermilch

Neugeborene von fremder Muttermilch zu nähren ist nichts Verwerfliches, jedoch wurden die Frauen dazu gezwungen ihr eigenes Kind für das Fremde aufzugeben. Es handelt sich hierbei um den Leidensweg der versklavten Ammen in den USA.


Zur Zeit der Sklaverei in den Vereinigten Staaten (ca. 16. bis 19. Jahrhundert) waren weibliche Sklaven besonders beliebt, da Sie ihren Eigentümern u.a. als Amme dienen konnten. Stephanie Jones-Rogers entdeckte bei ihren Recherchen zu diesem Thema grausame Fälle von sexueller und psychischer Gewalt an Sklavinnen. Sie weist ebenfalls nach, dass Frauen in den Südstaaten oftmals Sklaven als Geschenk bekamen. Für Frauen ermöglichte der Besitz von Sklaven eigene Freiheit, auf Kosten anderer. Henrietta Butler wurde von ihrer Herrin (Emily Haidee) dazu gezwungen, mit einem Mann auf der Plantage Sex zu haben. Henrietta Butlers Kind starb kurz nach der Geburt. Sie musste das Kind ihrer Herrin stillen während Sie noch um ihr eigenes trauerte.

Schwarze Frauen wurden kurz nach der Geburt ihrer Kinder dazu gezwungen, die Säuglinge ihrer Herren (Besitzer) zu stillen anstelle ihrer eigenen. Den Sklavinnen war es oft nicht gestattet ihre eigenen Kinder zu sehen. Sie konnten nur alle paar Wochen zu ihren Neugeborenen. Dies hatte fatale Folgen. Die Zahl der Sterberate von schwarzen Kindern war dadurch besorgniserregend groß. Die Eigentümer der Sklaven nahmen den Tod schwarzer Kinder in Anspruch um ihre Kinder von einer schwarzen Frau stillen zu lassen. Stillen wurde früher als „dreckig“ und „würdelos“ angesehen dementsprechend waren schwarze Frauen gezwungen, diese Aufgabe zu übernehmen. Schwarze Frauen zu entwürdigen und auf Sie herabzuschauen war zu der Zeit üblich. Nicht selten wurden Sie als schlechte Mütter bezeichnet, die ihre eigenen Kinder vernachlässigen, obwohl Sie dazu gezwungen worden sind und wie Kühe gemolken wurden. Wenn eine schwarze Mutter ihr eigenes Kind aufgrund von Unterernährung und Vernachlässigung verlor, schloss Sie eine engere Bindung zu dem weißen Kind, um das Sie sich kümmern musste. Ein anderer Weg um mit dem Verlust des eigenen Kindes umzugehen war für die schwarzen Frauen, sich komplett von ihren Emotionen zu trennen.
Als zertifizierte Krankenschwester spricht Stephanie Devane-Johnson mit ihren Patienten über viele Gesundheitsprobleme. Aber für ihre schwangeren Kunden ist das Stillen, eines der größten Themen. Für viele schwarze Frauen ist das Stillen ihres Babys nicht die erste Wahl. Dies veranlasste Devane-Johnson zu untersuchen, warum so viele schwarze Frauen nicht stillen. Die meisten Antworten, die sie fand, waren überraschend: Die Echos von Sklavinnen, die gezwungen waren, ihre Milch aufzugeben, ertönten immer noch. Das liegt auch daran, dass schwarze Frauen nicht mit ihren Töchtern, Enkel und Schwestern über das Stillen sprachen, weil der Terror und das Trauma aufgrund ihrer Unterdrückung noch zu tief saß. Laut einer Studie des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie in München, gehen gewisse traumatische Ereignisse auch ins Erbgut wodurch dieser Effekt nochmals verstärkt wird.

Intizar

Intizar

2 Gedanken zu “Blutige Muttermilch

  1. Ein mitnehmendes Thema! Danke, dass du dich hiermit ausseinandergesetzt hast. Der Schmerz, die Trauer, die Grausamkeit dürfen nicht vergessen werden. Es wird zu wenig über die Grausamkeiten der white supremacy offen gelegt. Vielen Menschen ist das Ausmaß der Grausamkeiten nicht bewusst, wodurch Rassismus auch heute noch ein Alltagsproblem ist.
    Ich freue mich schon auf deinen nächsten Artikel!

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