Frag mal einen Geschichtslehrer

Frag mal einen Geschichtslehrer

Geschichte – eine interessante und sehr wichtige Wissenschaft, um die Gegenwart zu verstehen. Doch wie ist es dieses Fach zu lehren? Die Antwort auf diese Frage erfahrt Ihr im Folgenden aus der Perspektive von Herr Zimmermann:

Wieso haben Sie Geschichte studiert? Und wieso wollten Sie speziell Geschichtslehrer werden?

Ich habe mich schon in der Schule für das Fach Geschichte sehr interessiert und habe dann zunächst beschlossen, ein nicht auf das Lehramt ausgerichtete Fachstudium der Politischen Wissenschaft, Mittleren und Neuen Geschichte und Anglistik zu beginnen. Später habe ich mich dann entschlossen, mich parallel auch für den Lehramtsstudiengang einzuschreiben und ein Praxissemester zu absolvieren. Dort habe ich dann gemerkt, dass mir die Arbeit mit Jugendlichen Spaß macht, und so bin ich dann dabei geblieben.

Welche Voraussetzungen benötigt man, um Geschichtslehrer/in zu werden?

Also technisch gesehen benötigt man natürlich zunächst einmal das Abitur. Viel wichtiger ist aber, denke ich, wie bei den meisten Lehramtsfächern eine Begeisterung für das Fach, die man auch anderen vermitteln kann. Ich hoffe zumindest, dass meine Schüler merken, dass ich Geschichte wirklich wichtig finde und Freude daran habe, mir neue Möglichkeiten auszudenken, sie Schüler*innen nahezubringen. Grundsätzlich setzt das Geschichtsstudium und das Arbeiten mit Geschichte voraus, dass man keine Angst vor dicken Büchern hat und bereit ist, sich in immer neue Sachverhalte einzuarbeiten. Wichtig ist natürlich darüber hinaus auch, dass es einem nichts ausmacht, jeden Tag vor einer Art „Publikum“ zu stehen, sehr viel zu sprechen und als ganzer Mensch gesehen zu werden. Schließlich kriegen Schüler*innen mit der Zeit so gut wie alles von einem mit, von sprachlichen Marotten bis zur Körpersprache und Eigenheiten darin, wie man auf bestimmte Situationen reagiert. Das geht ITlern oder Finanzbeamten nicht so, allen Lehrer*innen dagegen schon.

Benötigt man wirklich so gute Lateinkenntnisse, um Geschichtslehrer zu werden?

Jein. Ich bekomme mit, dass die neuen Student*innen immer weniger Lateinkenntnisse benötigen als wir früher (und als Generationen vor mir). Und was man braucht, kann man an der Uni nachlernen. Allerdings ist gutes Latein natürlich schon nützlich für die antike und mittelalterliche Geschichte. Und ehrlich gesagt macht es meiner Meinung nach mehr Spaß, wenn man auch mal eine Quelle selber lesen kann, die nicht in einer brauchbaren Übersetzung vorliegt.

Waren Sie schon immer für Geschichte begeistert?

Ja, ich denke, dafür muss ich einerseits meinen Eltern danken, die zwar an sich mit Geschichte gar nichts am Hut hatten, aber immer dafür gesorgt haben, dass mein Zwillingsbruder und ich nützliche „Was ist was?“- und ähnliche Bücher um uns hatten, die sich mit geschichtlichen Themen befasst haben. Und ich mochte auch schon als Kind „Es war einmal … der Mensch“ und ähnliche Serien, die damals im TV zu sehen waren und in kinder- und jugendgerechter Weise historische Zusammenhänge dargestellt haben. Und dann gab es ja auch noch Videospiele wie Age of Empires.

Welche Zeitepochen gefallen Ihnen am meisten und weshalb?

Ich habe in allen Epochen so meine kleinen Schwerpunkte, aber meine größte Begeisterung gilt schon dem Mittelalter. Das liegt an der Quellenlage. Als Mittelalter- oder Antikenhistoriker kann man aus ganz wenig Quellenmaterial (z.B. einer einzelnen Inschrift oder Urkunde oder Münze) sehr viel interpretieren, auch wenn die Schlussfolgerungen dann vielleicht relativ spekulativ sind. In der neueren Geschichte dagegen gibt es für jedes historische Thema Schrankwände voller Dokumente. Man macht also aus sehr viel Quellenmaterial im Vergleich sehr kleine, aber sehr gut abgesicherte Schlussfolgerungen. Beides ist natürlich faszinierend, aber wenn ich die Wahl habe, interessiert mich das Erste mehr. Und dass ich das Mittelalter lieber mag als die Antike, liegt daran, dass mein Altgriechisch nicht ganz so gut ist, auch wenn ich ganz gut darin bin, den Eindruck zu erwecken, ich könnte das auch noch.

Denis

Denis

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