
„Da hättest du echt früher kommen müssen.“
Bild „Es geht immer besser“ von Selina und Isabella
Sicher haben viele von uns diesen Satz schon einmal hören müssen.
Die Note steht gerade so auf der Kippe, die letzte Hoffnung ist vielleicht noch eine Präsentation oder ein freiwilliger Test, und dieser eigentlich so einleuchtende Einfall kommt unseren Lehrern dann aber nicht mehr früh genug. „Man hätte sich da ja schon früher Gedanken machen können“ oder „Jetzt stehen die Noten eigentlich schon fest“, heißt es dann.
Kaum hat das Schuljahr 2025/26 begonnen, schon stehen am Gips wieder die Halbjahresinformationen an. Bereits diesen Mittwoch, den 21.01.2026, ist die Notenabgabe und ja, ganz ehrlich: Mir fällt da leider auch keine spontane Rettung ein, um aus der Fünf in Mathe noch die Drei zu machen. Aber genau hier ist der entscheidende Punkt: Das heißt nicht, dass das Schuljahr gelaufen ist. Im Gegenteil! Sieh diese Halbjahresinformation lieber als genau das, was sie ist: eine Information. Was bis jetzt geschehen ist, steht vielleicht fest, aber das zweite Halbjahr steht an und bringt Zeit, Chancen und neue Hoffnung mit sich. Bevor man sich jetzt also direkt den Kopf zerbricht, dass man die Versetzung nicht schafft, heißt es erst einmal durchatmen und genau überlegen, was nehme ich mir fürs zweite Halbjahr vor? Was will ich besser oder anders machen? Auf welche Fächer muss ich besonders achten? Fehlt es an mündlichen Beiträgen oder muss ich vor der nächsten Arbeit etwas früher als erst am Tag davor anfangen zu lernen?
Sicher liefen die ersten Monate in diesem Schuljahr wie immer bei dem Einen besser und bei anderen schlechter. Aber ist die Panik vor der Versetzungschance am Ende des Schuljahres wirklich schon berechtigt? Werfen wir mal einen Blick darauf, was denn eigentlich passieren muss um nicht versetzt zu werden, bzw. wie eine schlechte Note vielleicht doch nicht immer direkt ganz so schlimm bzw. entscheidend für die Versetzung sein muss.
Damit wir nicht noch verwirrter als zuvor sind, schauen wir uns doch einfach mal die verschiedenen Situationen an, die eine Versetzung überhaupt in Frage stellen könnten. Hierzu sollte klar sein, dass es Kernfächer (Hauptfächer wie Deutsch, Englisch und Mathe) und sogenannte maßgebliche Fächer (Nebenfächer wie Sport, Musik und Kunst) gibt. Zudem hat man ab der Note 4 und besser „bestanden“. Das heißt, bei den Noten 4 und besser besteht keine Gefahr für die Versetzung.
Aber schauen wir uns das doch mal genauer an:
– Ich habe eine 6 in einem meiner Hauptfächer?
-> Leider ist hier kein Ausgleich möglich.
– Ich habe eine 5 in einem meiner Hauptfächer?
-> Für einen Ausgleich brauche ich in mindestens einem weiteren Hauptfach eine 3.
– Ich habe in zwei Hauptfächern eine 5?
-> Für einen Ausgleich brauche ich in mindestens zwei Hauptfächern eine 2.
– Ich habe in einem Hauptfach und in einem Nebenfach jeweils eine 5?
-> Für einen Ausgleich brauche ich in einem weiteren Hauptfach eine 2 und entweder zusätzlich in einem Nebenfach eine 2, oder in zwei Nebenfächern jeweils eine 3.
– Ich habe in einem Hauptfach eine 5 und in einem Nebenfach eine 6?
-> Für einen Ausgleich brauche ich in mindestens einem Hauptfach eine 2 und entweder in einem Nebenfach eine 1 oder dazu in zwei Nebenfächern jeweils eine 2.
– Ich habe eine 6 in einem Nebenfach?
-> Für einen Ausgleich brauche ich mindestens in einem Nebenfach eine 2 oder in zwei Nebenfächern jeweils eine 3.
– Ich habe eine 5 in einem Nebenfach?
-> Für einen Ausgleich brauche ich eine 3 in einem weiteren Nebenfach.
– Ich habe in zwei Nebenfächern eine 5?
-> Für einen Ausgleich brauche ich jetzt entweder in zwei weiteren Nebenfächern eine 2; in einem weitern Nebenfach eine 2 und in zwei weiteren eine 3 oder in vier weiteren Nebenfächern eine 3.
– Ich habe in einem Nebenfach eine 5 und in einem weiteren eine 6?
-> Für einen Ausgleich brauche ich nun entweder in einem weiteren Nebenfach eine 2 und in einem weiteren eine 1, oder ich benötige in zwei weiteren Nebenfächern eine drei und in einem dritten weiteren eine 1. Eine weitere Möglichkeit für einen Ausgleich wäre noch in drei weiteren Nebenfächern eine 2 zu haben oder in mindestens zwei weiteren Nebenfächern eine 3 zu haben und in zwei weiteren eine 2.
– Ich habe in zwei Nebenfächern eine 6?
-> Für einen Ausgleich brauche ich nun entweder in zwei Nebenfächern eine 1 oder in zwei weiteren Nebenfächern eine 2 und in einem dritten weiteren Nebenfach eine 1. Die dritte Chance wäre hier noch, in vier weiteren Nebenfächern eine 2 zu haben.
Auf den ersten Eindruck wirkt das jetzt vermutlich sehr kompliziert und detailliert aber eigentlich beweist dies nur die hohe Anzahl an Möglichkeiten. Eins ist nämlich klar: Mit einer schlechten Note ist die Hoffnung auf euer Abi nicht verloren!
Gerade in der Oberstufe wird einem bewusst, wie viel Stress und Gedanken man an die Schule verliert. Diese Aufklärung soll euch nicht sagen, dass Schule nicht ernst genommen werden muss, aber verrückt soll sie euch auch nicht machen. Sollte euch die Halbjahresinformation einen Realitätscheck verpassen und dazu anregen, darüber nachzudenken, dass es in dem ein oder anderen Fach besser laufen könnte, dann hat sie ihren Zweck erfüllt. Nicht den, euch zu verunsichern nicht, indem sie euch Angst macht. Indem sie euch einen Zwischenstand zeigt, der euch zum Vorteil wird, wenn ihr ihn dazu macht. 😉
Damit eine aufschlussreich endendes erstes Halbjahr und einen noch besseren Start ins Zweite!
Letizia ,J1
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