Interesse an Menschen und Neugier auf Kunst

Interesse an Menschen und Neugier auf Kunst

Interview mit Kunsttherapeutin Simone Klein

Was hat Sie dazu bewegt diesen Beruf zu lernen und auszuführen?

Über meine eigene Freude am künstlerischen Tun. Und der Entdeckung, dass wenn ich gestalte, es immer mit mir zu tun hat. Dass ich Gefühle, Gedanken, Fragen, Farbe und Form einen sichtbaren Ausdruck geben kann. Das wollte ich gern mit anderen Menschen teilen.

Wie lange üben Sie ihren Beruf schon aus?

20 Jahre

War dieser Beruf ihre erste Wahl? (Wenn nein, was wollten Sie davor werden?)

Nein, davor war ich Krankenschwester. Das stellte sich dann als gute Ergänzung zu meinem heutigen Beruf heraus.

Was macht ihnen am meisten Spaß?

Dass es immer wieder eine neue Entdeckungsreise mit Farbe und Papier, Ton und Holz… ist, auf die ich mit jedem „Patienten“ neu antrete. Was wird entstehen? Was kann der Gestaltende Neues an sich selbst entdecken?

Gibt es Nachteile, wenn ja welche?

Ja, in den Strukturen. Kunsttherapie ist keine anerkannte Therapieform, so wie die Psychoanalyse oder die Verhaltenstherapie. Darum zahlen die Kassen nur sehr selten eine Therapie. Die Patienten müssen die Kosten selbst übernehmen. In den Kliniken werden Kunsttherapeuten häufig schlecht bezahlt.

Können Sie ihre Arbeitszeit weitgehend selbst einteilen?

Ja, das kann ich. Da ich freiberuflich und im Angestelltenverhältnis arbeite.

Was muss man mitbringen, um diesen Beruf auszuführen?

Interesse an anderen Menschen und den Wunsch verstehen zu wollen.

Mut sich selbst kennenzulernen – denn sonst kann man nicht unterscheiden, was das Problem der anderen ist und welches das eigene.

Freude und Neugier auf Kunst.

Wem würden sie diesen Beruf empfehlen?

Denen die gern hinter die Dinge, wie sie erscheinen schauen. Wenn Dich interessiert zu verstehen, wie ein Mensch zu dem wurde, was er ist, wenn er Dir begegnet. – Und wie es kommt, dass Du selbst ihn so wahr nimmst, wie Du ihn wahrnimmst.

Und denen, die Freude an der Kunst haben – und die Neugier zu erforschen, was die Kunst so an Möglichkeiten, Gefühlen, … bereit hält.

Denken Sie, dass ihre Arbeit, mit all dem was sie täglich leisten ordentlich bezahlt wird?

Ja, ich persönlich bin da zufrieden. Allerdings kenne ich viele Kollegen, die nicht so viel Glück hatten.

Wie gehen sie mit Misserfolgen um?

Ich versuche herauszufinden, ob es etwas gibt, was ich zu sagen oder zu tun versäumt habe. Dazu gehe ich in Supervision. Da kann ich meine Arbeit reflektieren. Also von außen betrachten. – Das hilft auch dabei, sich selbst davor zu bewahren auszubrennen.

Was wollen sie mit ihrem Beruf bewirken?

Menschen ein Stück weit auf ihrem Entwicklungsweg begleiten. Sie dabei zu unterstützen mit sich selbst in Kontakt zu treten, zu entdecken was sie fühlen, was sie sich wünschen, was sie tun können und was sie wollen.

Für wen ist die Arbeit am Tonfeld geeignet?

Für Kinder und für Erwachsene. Die Arbeit am Tonfeld® ist jedoch nur ein Bereich meiner Tätigkeit als Kunsttherapeutin.

Können sie ihren Beruf kurz beschreiben/zusammenfassen?

Da nehme ich doch mal einen Auszug aus der Definition unseres Berufsverbandes (DFKGT): „Kunsttherapie ist eine nonverbales Therapieform (neben Musiktherapie, Tanztherapie, Theatertherapie u.a.). Kunsttherapie findet bei Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen und krisenhaften Entwicklungen in allen Lebensphasen sowie in psychosozialen Zusammenhängen sinnvollen Einsatz. Kunsttherapie fördert die Fähigkeit des Menschen, seine Umwelt unmittelbar über die Sinne wahrzunehmen und zu begreifen. Sie setzt an einem tiefen Grundbedürfnis des Menschen an, sich gestalterisch auszudrücken und mit sich und anderen in Kontakt zu treten. Auf der Basis einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung werden innere Prozesse durch Materialien und Medien der Bildenden Kunst sichtbar gemacht, Farb- und Formqualitäten mit eigenem Erleben und persönlichen Lebensmotiven verbunden.“

Ronja

Ronja

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