Fairer Handel – Der Weg zu einer gerechteren Welt

Fairer Handel – Der Weg zu einer gerechteren Welt

Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger werden heißt es wieder Winter- und für Christen Weihnachtszeit. Gerade in dieser sonst eher dunklen und düsteren Phase bietet es sich an, den Blick auf die wirklich wichtigen Dingen im Leben zu richten und sich vielleicht auch etwas näher mit den Ungerechtigkeiten dieser Welt zu beschäftigen. Genau das ist das Leitprinzip des Weltladens – nur eben für das ganze Jahr. Im Interview mit Susanne Krümpel, einer der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Weltladens Sindelfingen, erfahren wir, welchen Teil das Konzept des Weltladens zu einer faireren Welt beiträgt.

Schon von außen entzücken die liebevoll eingerichteten Schaufenster mit den süßen Girlanden und bunten Tüchern. „Das Dekorieren gehört neben dem Verkauf, dem Einkauf, der Abrechnung und der Werbung zu unseren Tätigkeiten“ erklärt die ehrenamtliche Mitarbeiterin zu Beginn des Gesprächs. Beim Betreten des Geschäfts umhüllt einen sofort die warme Atmosphäre und ein angenehmer Kaffeegeruch. Seit 1985 werden hier fair gehandelte Lebensmittel wie Kakao, Tee, Honig, Quinoa, Reis oder Schokolade aus aller Welt verkauft. Ebenso aber auch regionale Ware und Kunsthandwerk. „Viele Produkte sind nicht einfach nur Waren, sondern haben auch eine Geschichte“, klärt sie auf. So zum Beispiel die getrockneten Mangos, deren Erlös zu 10% an eine Kinderschutzorganisation auf den Philippinen gespendet wird, die sexuell missbrauchten sowie ehemalig inhaftierten Straßenkindern ein Therapiezentrum bietet.

Was ist überhaupt fairer Handel?

„Das Grundprinzip des fairen Handels ist es, Produkte zu einem festen Preis zu verkaufen, der nicht von Zwischenhändlern abhängig ist, die die Waren der Bauern möglichst billig aufkaufen. Am Ende der Kette steht ja immer der Erzeuger und das häufig in einer unsicheren Situation. Doch die Kleinbauern sollen von ihrem Verdienst leben können. In Deutschland ist das ja auch selbstverständlich, die Meisten können von ihrer Arbeit leben, alle haben Rechte und eine Krankenversicherung“, beschreibt Susanne Krümpel die Situation. „Fairer Handel ist nichts Anderes als ein Synonym für Gerechtigkeit.“

Die Sache mit den Siegeln

Auf die Frage nach den berüchtigten Fair-Trade Siegeln antwortet Susanne Krümpel: „Das ist alles ein bisschen schwierig. Hier im Weltladen haben wir keine Siegel, wir garantieren für fair produzierte Ware, indem wir Produkte von sogenannten Fair-Handel-Importeuren wie GEPA, EL PUENTE oder WeltPartner verkaufen. Diese sind Mitglieder in der World Fair Trade Organisation und überprüfen mit Mitarbeitern vor Ort die Arbeitsbedingungen.“ Im Supermarkt haben Siegel wohl weniger strenge Kriterien, aber können laut Susanne Krümpel auch „nicht schlecht sein“. Wie vertrauenswürdig Eigenmarken der Discounter Lidl oder Aldi seien, könne sie nicht genau sagen, aber das bekannte Fairtrade-Siegel seie auf jeden Fall eine gute Wahl.

„Um einen kompletten Umstieg auf fairen Handel zu ermöglichen, sind wir zu klein“

Gerade in der modernen, schnelllebigen Gesellschaft muss für einen Großteil der Bevölkerung immer mehr Ware immer billiger sein. Da scheint ein vollständiger Wandel nur zu fair gehandelten Produkten doch eher in weiter Ferne zu stehen. „Das ist Einstellungssache. Leute, die nur billig wollen, kommen hier gar nicht rein“, meint Susanne Krümpel.

Im Weltladen kaufen die Meisten aus Überzeugung ein, denn einen vierköpfigen Haushalt würde man ausschließlich mit Weltladen-Ware nur schwer ernähren können. Doch geht es auch gar nicht nur darum, möglichst viel zu verkaufen. „Wir haben auch einen politischen Anspruch, die Menschen aufzuklären“, erklärt die Mitarbeiterin.

„Wir brauchen junge Leute“

„Uns fehlt ein bisschen der Bezug zu jungen Leuten, was ihr interessant findet und sowas. Bei uns mitzuarbeiten wäre natürlich auch super. Gerade auf Facebook und Instagram könnte ich Hilfe von Leuten gebrauchen, die vielleicht Dinge machen können, die ich nicht so ganz verstehe“, bemerkt die Rentnerin mit einem Schmunzeln.

Doch auch unabhängig vom Weltladen verdient das Thema fairer Handel mehr Aufmerksamkeit von uns Jugendlichen. Zwar hängen wir größtenteils noch finanziell von unseren Eltern ab, aber allein schon ein allgemeines Verständnis durch entsprechende Informationen würde reichen, um für das Thema zu sensibilisieren.

Marija

Marija

Ein Gedanke zu “Fairer Handel – Der Weg zu einer gerechteren Welt

  1. Fair geht vor! Die Weltläden ändern im Kleinen wirklich viel. Heutzutage haben selbst Discounter fair gehandelte Produkte im Sortiment.

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